Zum Tod von Rémi Fraisse

Der Tod von Remi Fraisse hat in Frankreich zu zahlreichen Demos, Protesten und Gedenk- Kundgebungen geführt, bei denen es teilweise zu Zusammenstössen mit den Bullen sowie Sachbeschädigungen an Banken, etc. kam. Auch heute abend wird es z.B. in Rennes eine weitere Demo geben. Für kommenden Samstag, 01.November, 14:00 Uhr wird derzeit eine grössere Demo in Nantes vorbereitet.

Mittlerweile liegen weitere offizielle (!) Autopsieberichte zum Tod von Remi vor, die klar besagen, dass Spuren von TNT an der tödlichen Wunde angehaftet waren.

Dies lasse eindeutig erkennen, dass die Verletzungen durch eine sogenannte Offensivgranate verursacht wurde, wie sie bei den Auseinandersetzungen eingesetzt wurde. Die Bullen haben anfänglich genau diesen Einsatz dementiert. Mittlerweile ist der Tod von Remi Fraisse in den französichen Massenmedien ein breites Thema, es wird auch in den bürgerlichen Medien an den Tod von Malik Oussekine erinnert, der am 06.12.1986 während der Proteste gegen eine Verschärfung der Gesetze im Bildungsbereich von Motorradbullen zu Tode geprügelt worden war. Der Mord an Malik Oussekine hatte zu landesweiten riots in Frankreich geführt, auch in der BRD gab es damals Solidaritätsaktionen, z.B. eine Demo auf dem Kurfürstendamm mit mehreren hundert Leuten, bei denen auch zu Auseinandersetzungen kam. Die „Bildungs – Reform“ wurde damals dann innerhalb weniger Tage zurückgenommen, die beteiligten Bullen später zu einer „bedingten“ Freiheitsstrafe verurteilt.

Die offizielle Politik in Frankreich äußert jetzt die üblichen Appelle zur Ruhe und Mäßigung und verspricht die üblichen „umfangreichen Untersuchungen“.
Der Innenminister hat unterdessen angewiesen, dass die Offensivgranaten vorerst nicht mehr eingesetzt werden sollen.
Die Eltern von Remi fordern ebenso Aufklärung und verlangen, dass die umstrittenen Baumaßnahmen sofort unterbrochen werden.

Auf der Liste der „unnötigen und dummen Großprojekte“, gegen die u.a. aufgrund befürchteter ökologischer Zerstörungen protestiert wird, steht in Frankreich das Flughafenprojekt von Notre-Dame-des-Landes (NDDL) bei Nantes seit zwei Jahren ganz oben. Seit einigen Monaten machte aber auch das Staudammprojekt im Wald von Sivens, im südwestfranzösischen Département Tarn (Bezirkshauptstadt: Albi) von sich reden. Dort soll, in der Nähe der Kleinstadt Lisle-Sur-Tarn und rund 30 Kilometer von Toulouse entfernt, der Flusslauf des Tescou – ein Zufluss des Tarn – aufgestaut werden, um Felder zu bewässern und deren Abhängigkeit vom Wasserstand des Tarn zu verringern.

Aufgrund seiner für lokale Verhältnisse überdimensionierten Ausmaße und der unverhältnismäßigen Kosten schwoll der örtliche Protest an. Vor allem aber ruft die drohende Zerstörung des Feuchtgebiets von Le Testet, in dem über neunzig seltene und geschützte Arten (vor allem Pflanzenarten) leben, Zorn hervor. Kritiker/inne/n zufolge ist das Projekt schlicht unnötig, da die im Jahr 2001 zugrunde gelegten Zahlen nicht überarbeitet worden sind, heute jedoch als überholt gelten müssen. Ein Expertenbericht im Auftrag des französischen Umweltministeriums unter Ségolène Royal kam jedenfalls zu dem Ergebnis, das Staudammprojekt in der geplanten Form sei unnötig.

Letzte Neuigkeiten und Ausblick: Von dem Opfer, dem 21jährigen Rémi Fraisse, ist auch drei Tage nach seinem Tod bislang nur wenig bekannt. Bis zur Stunde wurde nur publik, dass er über einen berufsbildenden Abschluss in Natur- und Landschaftsschutz verfügte und in Toulouse im Studienfach Botanik eingeschrieben war. Neben seinem Studium war er bei der eher braven Umweltschutzvereinigung France Nature Environnement (FNE) aktiv, nahm jedoch nur unregelmäßig an Terminen teil.

Zu seinem Todeszeitpunkt trug er, ausweislich der Untersuchungsergebnisse, weder einen Helm noch Schutzhandschuhe. Im Unterschied zu den jungen Autonomen, die ebenfalls vor Ort waren, blieb er ebenso unbewaffnet wie ungeschützt. Es war seine erste Teilnahme an einer Demonstration, und vielleicht ist es seiner Unzufriedenheit zuzuschreiben, dass der ausgesprochen friedliche und friedfertige Demonstration sich dort aufhielt, wo sich auch härtere Auseinandersetzungen abspielten. Die Autopsie hat ergeben, dass Rémi Fraisse im oberen Rückenbereich durch die tödliche Granate getroffen wurde, welche ihm die obere Rückenhälfte abriss; er starb dadurch auf der Stelle. Die weitere Untersuchung wird erweisen müssen, ob dies auch bedeutet, dass er den Einsatzkräften zu seinem Todeszeitpunkt den Rücken zuwandte – was den kriminellen Charakter ihres Vorgehens noch erhöhen würde -, oder aber ob die Granate über seinen Kopf hinwegflog und ihn daraufhin im Rücken erreichte.“

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